In dieser Installation eröffnet sich, in der abgewandelten Rekonstruktion einer vorhandenen Galeriewand eine hintergründige Poetik des Raumes. Die Wand ist so nachgebildet, als wäre sie abgeschnitten und die Außenverkleidung von der Mitte aus nach Innen umgeklappt worden. Während ein schmales Reststück der Wand aufrecht an der Galeriewand übrig bleibt, ist der größere Teil so gebaut, als wäre er umgestülpt worden wie ein Handschuh oder ein Taschentuch. Im Gegensatz zu dem Tuch eines Magiers aber, das eine verzauberte Taube bergen mag, enthüllt die Wand allein ihren inneren Bauplan. Verwunderlich freilich ist, dass infolge dessen aller Raum, der diese vereinzelt stehende Wand umgibt, in gewisser Weise von ihr umschlossen wird. Die seltsame Bewegung, die dieses Gefüge voraussetzt und die anstelle von Standsicherheit eine ganz ungewöhnliche Fragilität erkennen lässt, setzt auch die Phantasie in Gang. Die Installation zeigt den Bewegungsmoment ihrer Fertigung als ein räumliches Stop -Motion Bild, wobei das Verfertigen im geistigen Auge des Betrachters vonstatten geht. Betont wird die erdachte Bewegung noch durch eine Anordnung von Fensterlaibungen mit Papierjalousien deren Oberflächen die Rück- von den Vorderseiten kontrastiert. Die Dynamik, die zu diesem ausgeklügelten, Innen und Außen zugleich umfassenden Gebilde geführt hat, lässt sich schnell aufnehmen, aber die tatsächliche und gewaltige Veränderung hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Die Faltwand ist ein rätselhaftes und verletzliches Gebilde: gleichzeitig fest gefügt und in ständiger Veränderung begriffen, innig vertraut und zugleich deutlich exponiert, dauerhaft verschlossen und unendlich offen.
Riff # Flutgraben
temporäre Installation, Berlin 2002
Trockenbau, Metall, Pappe, Lack
600 x 220 x 340